Let me Sleep

Ein kurzer entspannter Rätselspaß mit originellen Ideen.

Let me sleep, das sage ich zu meinem Wecker jeden Morgen, wenn er meint, mich mit lautem Getöse aus meinen Träumen reißen zu müssen. Hilft aber in der Regel nix, der trötet einfach weiter. Wahrscheinlich spricht er kein Englisch. „Let me sleep“ ist aber auch der Titel von einem gruseligen Rätselspielchen, oder rätseligen Gruselspielchen, je nachdem, das gerade im Nintendo eShop für 99 Cent zu haben ist. Die Bilder in der Shop-Galerie sehen nett und lustig aus, der Text verspricht schaurige Rätsel und versteckte Geheimnisse, und es wird sogar vor Schreckmomenten gewarnt! Sowas kann ich ja gar nicht gut vertragen eigentlich… Aber das Game ist ab 12, das kann eine gestandene Frau bestimmt nicht schocken. Hoffe ich. 😅 Wie gruselig das alles wirklich ist, ob es für Angsthasen geeignet ist und ob die Rätsel gut und logisch und abwechslungsreich sind oder nur mal wieder ein blöder, uninspirierter Rotz, das werde ich jetzt und hier höchstpersönlich für euch herausfinden.

Bevor es losgeht

Auf der Startseite werden wir begrüßt von schmissiger Gruselmusik, ein müde aussehender Typ lugt über dem Tisch hervor, Kaffeedampf wabert vor sich hin, die Menüpunkte Kleiderschrank, Errungenschaften, Ebenen, Geschäft, Optionen und Spielen stehen zur Auswahl. Dann gucken wir uns das doch mal aus der Nähe an. Im Kleiderschrank liegen unsere schlonzigen Standard-Hausklamotten bereit, lustige Outfits wie „Clown“, „Teenie“ oder „Yeti“ können in späteren Leveln freigespielt werden. Viele Erfolge warten schon darauf, im Spielverlauf errungen zu werden. Sehr gut, sowas ist immer motivierend und nett. 57 Level liegen vor uns – auch eine stattliche Anzahl. Gut so! Im Geschäft kann man „Hinweise“, „Weitere Hinweise“ und „Noch mehr Hinweise“ kaufen. 200 Münzen Startkapital haben wir bekommen, ein Hinweis kostet 80. Ziemlich happig, dann versuche ich doch lieber erst mal, selber zu denken. Hat ja auch Konfuzius damals schon gesagt: „Nutz dein Hirn, das kostet nix“. Und wie immer hat er Recht. Bei den Optionen könnte man noch an Musik, Ton und Sprache herumschrauben, unter dem Punkt „Hilfe“ findet man eine knappe Anleitung:

Man muss ein Level abschließen, bevor die Zeit abläuft. Oh, und hier geht es schon los mit den Rätseln, wenn auch unfreiwillig: Man soll den Schläger stoppen, bevor er den Timer erreicht, weil er einem sonst 5 Sekunden stiehlt. Netterweise ist eine Fledermaus daneben abgebildet, so dass man erahnen kann, was da bei der Übersetzung schiefgegangen ist. Wenn wir versuchen, den Geist zu vertreiben, wird er sich verdoppeln. Und wenn wir unsere Gegenstände nicht benutzen, werden sie vom Tentakel gestohlen. So weit, so gut. Dann mal die Geisterjägerausrüstung anlegen, Rosenkranz griffbereit halten, und ab geht die wilde Fahrt. Spukhaus voraus – wir gehen rein!

Man rätselt sich so durch

Aha, man muss nicht mit seinem Charakter umherlaufen, man tatscht einfach auf den Bildschirm, das ist gut. Der erste Level ist auch selbsterklärend und überraschend schnell gelöst. Nach wenigen Sekunden haben wir schon unsere ersten 30 Münzen verdient. Das wird aber bestimmt noch anspruchsvoller – wenn nicht, schreibe ich an Nintendo und verlange meine 99 Cent zurück. Auch der zweite Level ist eher simpel: Wir stehen in unserem Zimmer, einige Gegenstände sind auffällig, die müssen wir anklicken, danach gehen wir ins Bett. Zack. Nach jedem Level gibt es einen kurzen Ladebildschirm, dann geht’s weiter.

Nach einigen Leveln taucht dann auch die Schläger-Fledermaus zum ersten Mal auf. Während man noch überlegt, was es mit ein paar farbigen Zahnrädern auf sich hat, flattert sie durchs Bild und man muss sie kurz anstupsen, damit sie einem keine wertvollen Sekunden vom Timer klaut. Die Zeit ist allerdings reichlich bemessen, das haut bis jetzt alles noch problemlos hin. Man muss sich am Anfang der Szene immer erst einen kurzen Überblick verschaffen: Was ist das Problem, und was wird einem vom Spiel bereitgestellt, um das Problem zu lösen. Beispiel, ohne allzu viel zu spoilern: Der Typ hat eine Fußfessel. Also braucht man ein Werkzeug, um die Ketten zu durchtrennen. Die Einzelteile dafür sind im Zimmer versteckt, manche unter Verschluss, also braucht man Schlüssel. Im Zweifel alles anklicken, was anders aussieht als im vorherigen Bild. Die Szenerie ist nämlich immer die gleiche: Der müde Dude steht neben seinem Bett, ein paar weitere Möbel sind auch noch im Zimmer. Alles, was neu hinzukommt, muss näher in Augenschein genommen werden, es dient aller Voraussicht nach zur Lösung des Rätsels.

Bis jetzt sind die Lösungen alle noch logisch und nicht zu weit hergeholt. Man darf nur nicht hinterfragen, warum es zu den ganzen Vorfällen kommt, um die man sich kümmern muss. Wahrscheinlich passiert sowas in einem Spukhaus einfach. Eine Story oder Einleitung gab es übrigens nicht, man wurde direkt ohne Erklärungen mitten ins Geschehen geworfen. Das ist aber nicht schlimm, die Rätsel machen auch ohne Hintergrundstory Spaß.

Diverse Knobeleien und erste Komplikationen

Ah, hier wurde es dann doch ein bisschen tricky. Die Zahlenkombination, an die ich dachte, passte nicht, das Schloss ging nicht auf. Möglich, dass ich mich nur verzählt oder etwas übersehen habe, aber das war das erste Mal, wo der Countdown dann doch fast schon zu Ende war, bevor ich durch Raten dann doch noch die richtige Lösung hatte. Ach übrigens, der Geist: Der ist einfach manchmal da, schwebt durchs Bild, und wenn man ihn anklickt, verdoppelt er sich und schwebt zu zweit durchs Bild. Der tut aber nix, der stört nur und hängt einem im Weg rum. Ebenso das angekündigte Tentakel: Das mopst einem ab und zu mal Sachen aus dem Inventar, die hebt man dann einfach wieder auf. Alles kein Drama.

Soweit ich das bis zu diesem Level sagen kann, ist alles kindgerecht und auch wirklich kinderleicht. Die Rätsel sind recht vielfältig, man muss sortieren, puzzeln, kombinieren und manchmal noch ganz andere, überraschende Aufgaben lösen. Aber nichts ist unfair oder unschaffbar, und von Schreckmomenten oder Grusel kann wirklich nicht die Rede sein. Es ist echt nett und abwechslungsreich, ich freue mich immer schon aufs nächste Level, weil es teilweise wirklich originelle Ideen sind.

Stufe 21 war die erste, die ich nicht auf Anhieb geschafft habe. Man kann den Level nach dem Fehlversuch aber ohne irgendwelche Verluste einfach noch mal starten. Geht übrigens auch jederzeit während eines Levels, wenn man merkt, das wird nix oder die Zeit läuft ab: Einfach ohne irgendwelche Konsequenzen noch mal neu anfangen. Aber man kann sich eh nicht verbauen in dem Sinne, dass man sich irgendwie festfährt und Gegenstände schon verbraucht hat, die man noch benötigen würde oder so. So kompliziert denkt das Spiel gar nicht, bei Weitem nicht. Bei Level 21 habe ich mir dann tatsächlich mal einen Hinweis gegönnt. Der hat mir dann die richtige Kombination fürs Zahlenschloss verraten, allerdings nicht, wie man darauf gekommen sein könnte. Egal. 

So knobelt man dann munter vor sich hin, und nach ungefähr 2 Stunden ist das Spielchen dann nach einem besonders spektakulären letzten Rätsel auch schon wieder vorbei. Besonders umfangreich ist es also nicht, aber nichtsdestotrotz lustig und unterhaltsam. 2 Stunden Kino wären deutlich teurer. Einen Wiederspielwert hat Let me Sleep eigentlich nicht, wenn man die Rätsel alle schon kennt. Die Entwickler haben zwar versucht, durch Erfolge zum wiederholten Spielen zu animieren, beispielsweise gibt es einen für zwei erfolgreiche Durchgänge. Aber was hat man davon? Genau: Nix.

Zusammengefasst

Alles in allem bin ich zufrieden, da habe ich hier schon deutlich Schlimmeres getestet. Die Steuerung funktioniert prima und ohne irgendwelche Ärgernisse, die Grafik im Comicstil ist nett, die Ideen sowieso – ich musste einige Male schmunzeln und einmal sogar laut lachen wegen den absurden und skurrilen Szenarien. Die munter-beschwingte Hintergrundmusik stört nicht weiter, ist aber sehr repetitiv und nichts, was man unbedingt als Soundtrack-CD kaufen wollte. Sie kann bei Bedarf ausgeschaltet werden, ebenso wie der Ton. Hier ein kleiner Hinweis für Misophoniker oder sonstige leicht reizbare Menschen: Der Knilch gähnt die ganze Zeit laut vor sich hin. Wer das nicht so gut verträgt: Direkt Ton aus. Man verpasst auch sonst nichts an weiteren Soundeffekten.

Das Spiel ist sehr bediener- und einsteigerfreundlich, wirklich nicht zu schwer, die vorgegebenen Zeiten für die Level sind immer fair, die paar freispielbaren Outfits ein zusätzliches Gimmick. Die Altersfreigabe ab 12 ist auch vollkommen in Ordnung. 57 Level klingt erst mal viel, man ist aber echt schnell durch damit. Aber trotzdem: Für 99 Cent könnt ihr euch das ruhig mal kaufen, wenn ihr Lust habt auf gemütliches, stressfreies, spaßiges Knobeln. 

* Das Beitragsbild wurde von uns mit Hilfe des „Bing Image Creator“ erstellt.


Fazit

Pro

  • Originell
  • Einfach und unkompliziert
  • Netter Zeitvertreib

Kontra

  • Keine Story
  • Kein Wiederspielwert
  • Recht kurze Spieldauer

Wertung   (0 - 10)

7
Gut
Emotion freudig
Emma

Emma

Kaufe oder esse oder fotografiere alles, was sich nicht schnell genug retten kann - je nach Situation. Stellt mich einfach irgendwo am Meer ab und ich bin glücklich. 😊

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