Zen Wash

Katzen, Hochdruckreiniger und sonst leider nicht viel.

Die Sonne scheint munter vor sich hin, die Vögelchen schmettern ihre Lieblingslieder, Bienen machen Bienensachen – kurz: Der Frühling ist da, ganz eindeutig. Und so ein Frühling hat landläufig auch einen sogenannten Frühlingsputz im Gepäck. Von solchen seltsamen rituellen Putz-Hypes halte ich nicht viel, deswegen teste ich lieber für euch einen virtuellen Frühlingsputz in Gestalt von Zen Wash. Switch statt Swiffer, so nämlich! 🤭 Das Spiel ist im Dezember 2025 erschienen, und viel mehr Infos gibt es im eShop dann auch gar nicht erst. „Wasche den Schmutz auf ruhige und entspannte Weise fort, umgeben von den beruhigenden Klängen der Natur und dem sanften Fluss eines nahegelegenen Flusses“.

Das klingt wunderbar erholsam und eher nach Urlaub als nach Hausarbeit. Pure Gelassenheit, wertvolle Upgrades und immer befriedigendere Häuser, die man sauber kärchern muss, werden auch noch angepriesen. Außerdem gibt es einen einzigartigen Soundtrack, das ist offensichtlich wichtig hervorzuheben. So, wenn der Werbeabteilung sonst nichts zu dem Spiel einfällt, dann schauen wir es uns doch einfach mal selbst an. „Sei Zen Wash“, schreiben sie. Also dann: Ich bin Zen Wash, los geht’s!

Bevor es losgeht

Empfangen werden wir auf der Startseite von dem einzigartigen Soundtrack: 2 Akkorde im Wechsel. Mal gucken, ob das im Spiel noch etwas einzigartiger wird… Ansonsten wabert ein Schriftzug entspannt herum, und es gibt ein Menü mit Start, Shop, Spielanleitung und Steuerung. Überraschenderweise wählt man die Menüpunkte mit dem B-Knopf an. Alles Teil des Zen – verwirre sie mit ungewohnten Tastenbelegungen, heißt es da ja oft. Im Shop könnte man Verschiedenes freispielen, wenn man denn Geld hätte. Ich kann leider noch nicht genau sagen, was es sein soll. Zimmerecken vielleicht, oder verschieden große Quader? Wir werden sehen. Außerdem gibt es 8 verschiedene Avatare, die sich aber nur in Haut- und Kleidungsfarbe unterscheiden und alle den gleichen, dezent dümmlich und leicht gequält wirkenden Gesichtsausdruck haben.

Die Spielanleitung sagt in zenmäßiger Knappheit, wir sollen alles reinigen und zum Meister der Reinigung werden. „Entspann dich und hab Spaß“. Klingt machbar, ich werd’s versuchen. Auch die Steuerung hat keine megadicken Handbücher nötig. Bewegen mit dem linken Stick, Zielen mit dem rechten, Reinigen mit der linken Schultertaste. Okidoki, mehr müssen wir gar nicht wissen. Dann mal rein ins frühlingsfrische Hochdruckreinigungsvergnügen.

Ohh, guckt, da ist eine Katze!

Wir finden uns in einer netten pixeligen Comiclandschaft wieder, mit herbstlich bunten Bäumen, einem sprudelnden Bach und einer winzig kleinen Katze, die da auf niedliche Art herumsitzt. Kurz überlegt, sie wegzukärchern, aber wirklich nur ganz kurz. Sowas macht man nicht. Die Reinigungsapparatur können wir auch anders testen als an unschuldigen Miezekatzen, zum Beispiel an einem schlammverkrusteten Wäscheständer. Funktioniert. Man zielt, und dann sprüht man halt los, und der Schlamm wird abgewaschen. Man kann nicht zoomen, auch die Kamera kann man nicht drehen. Ich hoffe, das bleibt alles übersichtlich und man kommt nicht an irgendwelche uneinsehbaren Ecken. Schauen wir mal. Als nächstes widmen wir uns dem Haus. Die Wände sind durchsichtig, man kann und muss es von innen und außen beackern. Läuft immer gleich ab: Braun überzogene Möbel, wir hochdruckreinigen, die Möbel werden schön. Wenn das letzte Dreckfleckchen beseitigt ist, ändert sich automatisch die Szenerie. Der Schmutz ist auch gut zu sehen, anders als beim Wash Simulator, wo man stundenlang nach dem letzten mikroskopisch kleine Pixelchen Dreck suchen musste, das sich irgendwo gut getarnt versteckt hat. Das ist hier Gott sei Dank nicht der Fall.

So weit, so entspannend. Es ist wirklich nicht schwierig, es gibt nichts zu beachten, man kann nichts falsch machen, hat keinen Stress, muss sich nicht ärgern oder beeilen oder sonst irgendwas. Einfach ein nettes Spielchen, bei dem man Gegenstände reinigt. Kennt noch jemand diese Hefte von früher, wo man mit einem Bleistift über weiße Seiten schraffierte und darunter dann ein Bild erschien? So ähnlich fühlt sich das an. Die Musik ist erfreulicherweise doch nicht so monoton wie auf dem Startbildschirm, sondern im Gegenteil tatsächlich recht angenehm und entspannend. Asiatisch angehauchte Klänge und sogar mehrere verschiedene Musikstücke, nicht wie sonst oft nur ein paar Takte, die sich ständig wiederholen. Wäre man zynisch, könnte man von Fahrstuhlmusik­gedudel sprechen, aber so sind wir ja nicht. 😉

Viel monotoner geht’s nicht

Insgesamt ganz tufte für zwischendurch, um einfach mal runterzukommen. Der Alltag ist schon stressig genug, da ist so ein simples Spiel wirklich eine nette Abwechslung. Aber apropos Abwechslung: Die sucht man im Spiel selbst leider vergebens. Jedes Level ist gleich, jedenfalls bis zu dem Punkt, an den ich jetzt gekommen bin. Immer das gleiche Areal, die gleiche Katze und das gleiche Häuschen, auch die Möbel wiederholen sich. Vor dem Haus ein Wäscheständer und ab und zu ein Auto, das war’s. Immerhin die Landschaft und die Bäume haben hin und wieder andere Farben, aber das ist dann auch schon alles. Ein Level dauert ca. 5 Minuten, als Belohnung gibt es 20 Münzen. Man kann im Shop wohl irgendwann noch andere und größere Häuser kaufen, das kostet allerdings mindestens 2000 Gold, da muss eine alte Frau lange für sauber machen.

Achtung: Wenn man während eines Levels das Hauptmenü bzw. den Shop besucht, ist nicht nur der Levelfortschritt futsch, sondern gleich das ganze Level. Die werden also anscheinend willkürlich generiert und haben keine feste Reihenfolge. Man landet dann einfach in einem x-beliebigen Level. Das ist an sich nicht weiter schlimm, schaut nur, dass ihr nicht kurz vor Ende eines Levels ins Hauptmenü geht, sonst war die ganze Mühe umsonst.

Ich wollte eigentlich mindestens mal das nächstgrößere Haus freispielen, nur um zu gucken, was da so los ist. Anfangs war ich guter Dinge, aber je länger das Spiel dauert, umso mehr wird deutlich: Es ist einfach ganz fürchterlich langweilig. Man macht immer und immer wieder exakt dasselbe, ohne Abwechslung, ohne Überraschungen. Ein Level dauert 5 Minuten, ich müsste also 8 Stunden lang blöd vor mich hin kärchern – also nee, bei aller Liebe nicht. So entspannend das alles auch sein mag, so öde ist es auf Dauer. Wenn einer von euch die nächste Stufe freigespielt hat, kann er gerne in die Kommentare schreiben, wie das aussieht. Ich bin erst mal raus. Vielleicht spiele ich ab und zu noch ein paar Level zum Zeitvertreib, und wenn ich dann in ein paar Wochen oder so 2000 Ocken (oder sogar 5000 für die höchste Stufe) erreicht habe, schreibe ich noch mal ein Update. Vielleicht aber auch nicht.

Zusammengefasst

Tja, was schreibt man da jetzt für ein Fazit? Das Spiel ist an sich nicht schrecklich, nur schrecklich eintönig. Absolut kein Anreiz ist gegeben, sich da länger am Stück mit zu beschäftigen, weil es einfach immer das Gleiche ist, hunderte Male nacheinander. Man braucht kein Glück, kein Können, keine Ausrüstung, gar nichts. Man läuft einfach nur mit gedrückter Schultertaste durch die Gegend und sieht zu, wie sich Möbel von braun zu bunt färben. Die Grafik ist recht hübsch auf ihre pixelige Art, die Umgebung sieht auch schön aus mit den Bäumen und dem Bächlein. Aber man kann sich nicht frei darin bewegen, es ist nur ein winzig kleines Areal, das man überhaupt zu sehen bekommt.

Die Musikuntermalung ist abwechslungsreich, aber Zen Wash ist wahrscheinlich sowieso eher ein Spiel, das man ohne Ton nebenbei zockt, während man fernsieht oder Podcasts hört. Dass man seinen ganzen Fokus darauf richtet, ist absolut unnötig. Steuern lässt es sich prima und kinderleicht, alles ist gut erreichbar auch ohne schwenkbare Kamera, man bleibt nicht an irgendwelchen Ecken hängen, alles funktioniert einwandfrei. Ich gehe einfach mal davon aus, dass sich auch mit freigespielten größeren Häusern oder andersfarbigen Spielfiguren nicht viel ändern wird, was die Abwechslung angeht. Von daher würde ich sagen: Zur Überbrückung von Werbepausen ganz nett für 99 Cent, aber mehr auch nicht.

* Das Beitragsbild wurde von uns mit Hilfe des „Bing Image Creator“ erstellt.


Fazit

Pro

  • Macht kurz richtig Spaß
  • Nette Grafik und Musik
  • Kinderleicht

Kontra

  • Laaangweilig!
  • Absolut repetitiv
  • Upgrades schwer erreichbar

Wertung   (0 - 10)

3
Schlecht
Emotion enttäuscht
Emma

Emma

Kaufe oder esse oder fotografiere alles, was sich nicht schnell genug retten kann - je nach Situation. Stellt mich einfach irgendwo am Meer ab und ich bin glücklich. 😊

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